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Sebastian Gerhard
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Warum PR und Flashmobs von unterschiedlichen Planeten kommen

Anno Domini 2010, der 30. des Juli in allgemein, fotos by Sebastian

Vermutlich war noch was über vom PR-Budget. In einem Kreativraum eines grossen grünen Telekomunikationsanbieters rummste irgendwer seinen Pappbecher mit Automatenkaffee so energisch es eben mit einem Pappbecher vom Automaten geht auf den Designerglastisch und proklamierte: “Lasst uns mal was total abgefahrenes tun. Wir veranstalten nen Flashmob!”. Der Flyer der Düsseldorfer PR-Agentur, die das ganze mit einem Preisschild versah und in höchsten Tönen von “Social Media Kompetenz”, “Selbstläufer” und “perfektes Guerilla-Marketing” sprach, rutschte dabei etwas tiefer in die Hosentasche des von Genialitätspartikelchen geküssten Marketingmitarbeiters.

Kurze Zeit später war das Budget verteilt und die PR-Maschinerie lief an. Die Düsseldorfer Agentur machte undergroundig subtil Werbung ohne irgendwas über die Hintergründe zu verraten. Flashmobs sind ja wohlgeplante Spontaneität und verteilen sich ganz automatisch im Netz, weil das eben so ist mit Guerilla-Marketing. Steht jedenfalls so im Lehrbuch für Guerillamarketing. Und auf youtube gibts ja auch tausend Videos die belegen dass das so geht.

Im Gegensatz zur obigen Fiktion sag die Realität dann wesentlich nüchterner aus. Zwei Mädels besagter Agentur sassen mit ihrer Kiste gebrandeter Quitscheenten an einem Brunnen in Hannover und versuchten von 15 bis 17 Uhr, die Enten an den Mann zu bringen (So geht Flashmobben doch, oder? Leute dazu bringen, spontan die zwei Stunden zu warten, bis sie ihre Ente in den Brunnen werfen dürfen). Um 16:50 waren bereits 4 Leute mit Enten versorgt und warteten geduldig auf den Start. Hunderte arbeitsloser Enten harrten weiter in der Kiste auf die restlichen Flashmobber, die ja laut Lehrbuch erscheinen müssten.

Ein Fotograf aus Düsseldorf war auch extra entsandt worden, 600km Fahrt für 10 Minuten Fotos von 4 Enten wäre dann doch etwas unproportional, also begann er kreativ, den Enten das Posen beizubringen. 4 Steintor-Natives südländischer Herkunft mit einem dezenten Hang zum fotografiert-werden (“Ey machssu noch n Foto von mir- weissu, mir sagen alle ich soll Model werden!“) retteten das Event dann kurz vor Anpfiff, indem sie sich tatsächlich für die Enten interessierten (“Ey krass guckst du, meine Enten ficken“), noch etwas mehr für die beiden Agenturdamen interessierten (Zitate erspar ich mal) und sich tatsächlich sogar für die beworbene Marke begeistern konnten (“Scheissendreck, ey Base is doch so n schwachmaten Internetfuck fürn Computer oder?“).

Schlussendlich war die Aktion im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein voller Erfolg: Die Agenturdamen haben ein bischen Geld verdient, der Fotograf konnte die Annehmlichkeiten der Reise Düsseldorf-Hannover geniessen und unsere Steintor-Natives haben weiss-blaue Quitscheentchen geschenkt bekommen. Ich hab dann extra das Weitwinkel rausholen müssen, um tatsächlich die gesamte Aktion einfangen zu können – links der Fotograf, die Protagonisten und rechts die Agenturdamen.


Insgesamt zeigt die Aktion deutlich: Ein Flashmob ist ein Flashmob weil er von sich aus Menschen begeistert mitzumachen und das ganze möglichst still weiterzutragen – für einen Überraschungseffekt bei der “normalen” Bevölkerung während der Durchführung. Im Gegensatz zu einer armseligen PR-Aktion, die immer eine armselige PR-Aktion bleiben wird, und den Mob nicht hinterm Ofen hervorlockt. Immerhin hat die PR-Agentur aus Düsseldorf soweit mitgedacht, dass sie sogar einen Käscher mitgeliefert hat um auch ordentlich aufzuräumen.

10 Responses so far.

  1. blog2de sagt:

    [New Post] Warum PR und Flashmobs von unterschiedlichen Planeten kommen – via #twitoaster http://blog2.de/archiv/1276

  2. derhenry sagt:

    Ich wisch mir gerade die Lachtränen aus dem Gesicht. ;)

  3. FS sagt:

    *rofl*

    Hättest Du mal was gesagt. Ich hab mich letztendlich dagegen entschieden da hin zu gehen (war mir irgendwie zu albern), aber DAS hätte ich mir angeschaut.

  4. Sebastian sagt:

    ich wusste bis zuletzt nicht, ob ich es zeitlich schaffe – nächstes mal bimmel ich ambulant durch :)

  5. [...] herr limetrees amüsiert diesen artikel über einen entenflashmob in hannover vorliest und ich antworte:  “ich weiß, [...]

  6. [...] Kol­lege Sebas­tian Ger­hard hat hier in sei­nem blog2?.de geschrie­ben, dass PR-gesteuerte Flashmobs nicht funk­tio­nie­ren. [...]

  7. Autor sagt:

    Wirklich ein genialer Kommentar. Ich werde blog2.de häufiger besuchen ;)

  8. Erläuterungen sagt:

    Nun ja, Dinge können manchmal wirklich einfach sein. Besten Dank für die Erläuterungen ;)

  9. [...] kann ja nich jeder. Wie ich hier ja schon feststellte. Diesmal war es kein Telekommunikationskonzern, sondern ein Facebookaufruf der die Mobber zu der [...]

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