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Sebastian Gerhard
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Tutorial: Rauch fotografieren

Anno Domini 2010, der 20. des Dezember in allgemein, fotos, Tutorials by Sebastian

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Räucherlöckchen

Es ist kalt und nass draussen, also der perfekte Anlass für ein Indoor-Tutorial. Mit einigen Tricks ist Rauch ganz einfach zu fotografieren. Für professionelle oder auch Hobby- Fotografen, die gerne ihre Bilder in Fotobüchern sammeln, bieten diese Fotografien sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten für spannende abstrakte Bilder. Auch für Composings kann man Rauch immer wieder effektvoll einsetzen, es muss ja nicht immer der künstliche aus der PS-Dose sein :)

Aus diesem Grund gibts das Tutorial in zwei Teilen: Der fotografische Teil wird von mir behandelt, der bildbearbeitende Teil von Evangeline – und der jeweils andere erscheint dann als Gastbeitrag auf dem Blog des anderen. Eine kleine Auswahl von dem, was wir hier fabrizieren wollen, könnt ihr hier bei mir auf flickr sehen – Die Bilder wirken in gross wirklich am besten.

Mit etwas Phantasie: "Der Schrei" - schizophren.

1.) Vorbereitung & Equipment

Als erstes brauchen wir erstmal einen Raum in dem wir fotografieren – dieser sollte am besten hoch, gross und zugfrei sein. Ausserdem etwas Räucherwerk, hier habe ich Räucherstäbchen aus dem Asialaden genommen, die ich einigermassen vom Geruch her ertragen konnte – ich bin kein Fan von künstlichen Fremdgerüchen. Dann brauchen wir einen schwarzen Hintergrund, einen Blitz, auf den ich einen Snoot gesetzt habe. (Ich habe mal gegoogelt, aber ausser der Umschreibung “Lichtbündler” kein deutsches äquivalent für das Wort gefunden. Wers kennt: bitte kommentieren ;) ) Weil mich Benjamin neulich darauf ansprach, und mir da erst auffiel, dass ich praktisch nie Grids benutze, habe ich im Snoot also auch noch ein Grid drin. Aber: Wichtig ist nur, dass das Licht gerichtet auf den Rauch fällt und weder direkt auf den Hintergrund noch in die Kameralinse fällt. Um das vollends zu verhindern habe ich erstens den Abstand von Hocker zu HIntergrund recht gross gewählt – über einen Meter – und auf der Kamera, die auch entsprechend weit vom geschehen entfernt war, mit einer Gegenlichtblende gearbeitet.
Gegenüber des Rauchs hab ich noch eine Dauerleuchte gestellt. Warum, erklär ich später.

2.) Aufbau

Die folgende Skizze verdeutlich gut den Aufbau:


Hier dann der Aufbau in der Realität: Links die Dauerleuchte, rechts Blitz mit Snoot und Grid, in der Mitte Kamera mit 60mm Makroobjektiv (wegen der kurzen Naheinstellgrenze). Star der Veranstaltung: ein Räucherstäbchen in einer Schraubzwinge, daneben ein Glas Wasser, damit der Sicherheitsbeauftragte der Berufsgenossenschaft keinen Herzinfarkt bekommt :) Ihr stellt das ganze natürlich noch auf eine ausreichend dimensionierte, feuerfeste Unterlage, nicht wahr? Danke.

Dauerlicht, Räucherstab und Blitzkopf mit Snoot.

3.) Dials & Numbers

Kommen wir nun zu den Einstellungen: Der Blitz rechts im Bild hat 300 Wattsekunden, und stand am Ende bei mir auf 80% Power. Die Dauerleuchte ist Binär – Sie ist “an”. :)   An der Kamera habe ich eine 1/160 eingestellt, bei ISO 160. Trotz der Beleuchtung von rechts (Einstellicht) und Links (Dauerleuchte) ist es schwer, Rauch mit einem Makro richtig zu fokussieren, hier bietet es sich an, den Autofokus abzuschalten und manuell zu fokussieren und dazu mit grosser Blendenzahl zu arbeiten um ein scharfes Ergebnis zu erhalten. Ich hab mit Blende 8 angefangen und die Blitzleistung soweit verändert, bis ich mit der Helligkeit zufrieden war. Die meisten Bilder sind dann mit Blende 6 bis 8 bei obengenannten Einstellungen entstanden.

Der Bequemlichkeit halber hab ich dann die Kamera per tethering an den Rechner angeschlossen, so dass ich die Ergebnisse immer gleich am Bildschirm sehen konnte.


Und dann braucht ihr einfach sehr sehr viele Fotos. Ihr werdet sehen, dass die Wärme des Blitzes allein schon ausreicht, um dem Rauchverlauf eine andere Richtung zu geben. Ihr könnt z.B. mit einem Nudelsieb oder gekühltem Löffel den Rauch ablenken, oder mit zwei Teelichtern durch die aufsteigende heisse Luft dem Rauch eine andere Dynamik geben.

Ihr werdet sehen, dass es immer wieder ganz verschiedene Formen gibt. Besonders symmetrische Verwirbelungen durch Heisse Luft von unten lassen Wirbelsäulenähnliche Bilder entstehen. Hier kommt es einfach auf Quantität, Experimentierfreude und Geduld an. Ich habe pro Session ca. 200 Bilder, von denen ich ca. 20 weiterverarbeite. Kontrolliert eure Schärfe und die Lichthelligkeit immer mal wieder am Monitor. Um den Weissabgleich habe ich mich nicht gekümmert (auf Auto) da ich diesen später per Software anpasse. Ausserdem fotografiere ich in Rawdaten (Bei Nikon: .NEF), um später möglichst viele Bearbeitungsmöglichkeiten zu haben.

4.) Mehrfarbigkeit

Ich mag es besonders, wenn der Rauch mehrfarbig wird, wie im Bild hier gut zu sehen. Dadurch kommt die Dreidimensionalität besonders gut zur Geltung und das Bild wirkt spannender.

Impact.

Wieso dies exakt zustandekommt kann ich nicht genau erklären und mir ist es beim Experimentieren nur durch Zufall aufgefallen. Mein Erklärungsversuch: Links im Aufbau habe ich eine Neon-Dauerlichtlampe mit 5000 Kelvin Farbtemperatur. Der Blitz hat 6400 Kelvin, auf die ich später in Lighroom auch abstimme. Der Rauch hat unterschiedlich grosse Partikel und ich vermute, dass die grösseren Partikel eher vom Blitz erwischt werden bzw. überstrahlen als andere vom kühleren Dauerlicht angestrahlte, aber andererseits ist es auch egal – wichtig ist, was auf den Sensor fällt.

5.) Sortieren und Säubern


Wenn ich dann vielversprechende Bilder ausgewählt habe, werden sie bei mir in Lightroom etwas gesättigt, Dynamik und Schwarzlevel etwas angezogen (entfernt schonmal etliche der störenden Aschepartikel)  und dann beginnt die Stempelarbeit: Kopierstempel im schwarzen und Reparaturstempel im farbigen Bereich. Ihr werdet nämlich vermutlich viele kleine Aschepartikel haben, die vom Blitz schön angestrahlt sind.

Dies ist aber schnell erledigt – und das Bild ist danach zu einem kleinen abstrakten Kunstwerk geworden.


Ein schönes Weihnachtsgeschenk – auf für Nichtraucher :)

6.) Experimentieren

Seid kreativ. Spielt rum :) Ihr könnt zum Beispiel den Blitz so verrücken, dass er ein klein wenig in das Objektiv schiesst, und Farbfilter verwenden. Da lassen sich sehr spacige Effekte mit erzielen:

Gollum lost in Space

7.) Teil 2 des Tutorials: Photoshop abgeraucht

Im zweiten Teil des Tutorials verlassen wir die fotografische Realität und die Bildbearbeiterin Evangeline wird euch erklären, was ihr mit Rauch und Photoshop alles virtuell zaubern könnt.

Besonders würde ich mich freuen, wenn ihr eure Ergebnisse hier in den Kommentaren verlinkt. Bin gespannt!

16 Responses so far.

  1. blog2de sagt:

    [New Post] Tutorial: Rauch fotografieren – via #twitoaster http://blog2.de/archiv/1551

  2. [...] und ich heute ein umfangreiches Doppel-Tutorial zum Thema „Rauch“ für euch. Auf Sebastians Blog findet ihr ein ausführliches und reich bebildertes Tutorial dazu, wie man Rauch im …. Und hier erfahrt ihr nachfolgend, welche Bearbeitungsmöglichkeiten es in Photoshop für [...]

  3. Jan sagt:

    Sehr schön beschrieben. Lädt ein, animiert, mehr davon! Danke.

  4. derhenry sagt:

    Tolle Fotos und ein richtig gutes Tutorial!

  5. blog2de sagt:

    [Blog] Großes Gemeinschaftstutorial online: Rauch fotografieren und in Composings einsetzen: Evey: http://bilderkunst.wordpress.com/2010/12... Blog2: http://blog2.de/archiv/1551

  6. [...] und ich heute ein umfangreiches Doppel-Tutorial zum Thema “Rauch” für euch. Auf Sebastians Blog findet ihr ein ausführliches und reich bebildertes Tutorial dazu, wie man Rauch im …. Und hier erfahrt ihr nachfolgend, welche Bearbeitungsmöglichkeiten es in Photoshop für [...]

  7. Nona Mills sagt:

    Tolle Fotos und ein richtig gutes Tutorial!

  8. Rauch | sagt:

    [...] etwas kommt raus wenn man zu viel Zeit hat   Inspiriert wurde ich von dem 2 teiligen Tutorial von Sebastian Gerhard und  Evangeline Cooper , es lohnt dort mal vorbei zu schauen ein wirklich gut gemachtes Tutorial [...]

  9. Tolles Tutorial, ich bin echt von eurer Arbeit hier begeistert!
    Hier mal ein Beispiel, was bei mir raus gekommen ist ;-)

    http://www.fotoworking.de/2011/01/rauch/

  10. Barbara sagt:

    Bin durch Kalle auf deine seite gekommen und will nicht wieder weg ohne dir wenigstens zu sagen wie genial ich dein Tutorial finde.
    Mal ganz herzliche Grüße hier lass, Barbara

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