Ich habe heute nacht schlecht geträumt. Nämlich von der Zeit nach der Bundestagswahl.
Wir schreiben November 2005, inzwischen träumt ganz Deutschland schlecht – am helligten Tag. Natürlich haben wir es dem Schröder so richtig gezeigt und die blöde Merkel gewählt. Natürlich haben ein paar Sachsen auf dem Wahlzettel das “S” von “SPD” durchgestrichen und ein “N” darübergekritzelt. Natürlich grinst Edmund “Honigkuchenmuschi” Stoiber dass sich die Hirnschale hebt, denn sein Merkelchen wusste gar nicht wie ihr geschah, als Edi ein Gläschen Champagner öffnete und verkündete “Mir san Pundeskanzler”. Damit meinte er natürlich nicht sich, sondern die nun offiziell durch die Merkel impersonalisierte Nation von Protestwählern. Gerhard hingegen sitzt mit seinen Genossen in Hannover auf dem Balkon von Götz von Fromberg, und sinniert Rauchschwaden paffend über die schöne Zeit als Kanzler und erwähnt im Kreise der Freunde leise, dass er eigentlich auch keine Lust mehr hatte.
Am nächsten Tag kostet das Brot 3 cent mehr. Nachdem das Volk auf 20% Mehrwertsteuer vorbereitet wurde (“Nein, mit uns wird es so eine Erhöhung nicht geben”) hat man vorerst die 18% durchgesetzt. Wir haben im EU-Vergleich ja noch viel aufzuholen, sagen die Politiker. Dass im EU-Vergleich die Abgaben und Nebenkosten bei uns auch deutlich höher sind, hätte die Bildzeitung zu SPD-Zeiten ruhig mal drucken können. In der Rüstungsindustrie geht ein Grossauftrag nach dem anderen ein, die Wehrpflicht wird verschärft und eine Zivildienststelle nach der anderen eingespart. Ein eigens eingerichteter “Heimatschutzbeauftragter” bezieht ein Büro in Berlin Mitte. Natürlich mit Luftschutzbunker – mit gutem Beispiel voran. Während ein bis dato unbekannter CDU-Politiker mit dem Vorschlag, Kreuze in allen Schulen aufzuhängen und die Schüler das Vater Unser beten lassen zu müssen für Furore sorgt, unterstützen angeblich die ersten Einheiten deutscher Elitesoldaten die Amerikaner in geheimen Missionen in Libyen und dem Iran. Das Bundesverteidigungsministerium dementiert lautstark und die Bildzeitung druckt Fotos von den Jungs. Immerhin wird noch der Beschluss der SPD, beim wählen einen Haken statt einem Kreuz machen zu müssen revidiert.
Eine frisch eingesetze Sonderkommission mit dem Internen Kürzel “Dreck am Stecken” durchforstet die SPD-Hinterlassenschaften nach kleinen Ungereimtheiten, die dann durch unbeschreiblichen Zufall kurz vor der nächsten Wahl herauskommen sollen. Sonderlich Erfolgreich sind Sie dabei nicht, denn der Suchbegriff “Bimbes” ist wohl wirklich nur in CDU-Kreisen unterhalb des Weisswurstäquators gebräuchlich. Zumindest konnten in einem Keller einer SPD-Kreiszentrale in Biberaubach bei Uelzen zwei leere Koffer gefunden werden. Die Bildzeitung meldet noch am gleichen Tag, das in der Nähe von Peking ein Sack Yasminreis den Kräften der Schwerkraft unterlag.
Edmung Stoibers erster Auslandsbesuch – natürlich an der Seite seiner Merkelmarionette – gilt den USA. Bush empfängt beide herzig, danach geht man jagen in den Blue Ridge Mountains, Tony Blair kommt auch noch kurzfristig dazu und man unterschreibt ein paar unsinnige Vereinbarungen, an die sich nichteinmal die Bildzeitung am nächsten Tag erinnert. In Deutschland hingegen macht sich erster Protest gegen die auf 25 Euro erhöhte Praxisgebühr breit. Zum Glück gibts Ausnahmeregelungen, denn die fällt inzwischen nur noch an, wenn man im Krankenhaus auch wirklich ein Bett abbekommt – in Zeiten drastischer Kürzungen im Gesundheitssektor keine Selbstverständlichkeit mehr. Da sich in der gesetzlichen Krankenkasse scheinbar eine kleine Finanzierungslücke offenbart hat, empfiehlt sogar der Gesundheitsminister, Angebote der Privaten Krankenkassen einzuholen. Das hat die Privaten Krankenkassen einige Aufenthalte von ganzen Ministerheerschaaren auf den Seychellen gekostet, aber was tut man nicht alles fürs Geschäft. Und dank der Spitzensteuersatzsenkung bleibt dem Durchschnittsminister noch ein beachtliches Taschengeld in selbiger. Ein Bild-Reporter findet auf der Toilette im Bundeskanzleramt ein Notizbuch eines Ministers, in dem für 2006 acht mal “Diätenerhöhung durchsetzen” eingetragen ist. Wie sich später herausstellt, ist das Buch von Konrad Kujau im Auftrag der Titanic gefälscht. Im Dezember gibt es ganz überraschend für die Minister eine Diätenerhöhung, dank einer strategisch gut geplanten Pressesause im anderen Teil von Berlin ist an dem Tag aber kein nennenswerter Journalist im Plenarsaal anwesend, so dass der SPD-Nahe Biberaubacher Sauenanzeiger relativ unbeachtet eine Protestkolumne schreibt.
Die Sonderkommission “Dreck am Stecken” hat inzwischen mal etwas produktives geleistet und den CDU-wählenden Bruder von Peter Hartz ausfindig gemacht, der mit dem Bruder von Gerhard Schröder – als Grosse Koalition sozusagen – eine Getränkebude auf Mallorca führte. Damit die sozial unterprivilegierte Mittelschicht mit Tagesfreizeit nicht umdenken muss, wird Hartz 6 eingeführt. Im Prinzip geht es dabei nur um Kürzungen, die als “Ausgleichsumschichtungen zur Stärkung der Gleichberechtigung bei sozialen Leistungsempfängern” deklariert wird. Die Bild erklärt missmutig, das es nun weniger Geld gibt und sich sonst nix ändert. Der Preis für eine Bildzeitung wird nun doch erst eine Woche später um 20 cent angehoben.
Nachdem die überraschend aktiven Rentner, die bis vor kurzem noch in inzwischen geschlossenen Pflegeheimen untergebracht waren zusammen mit den durch Stellenkürzungen betroffenen Ex-Zivis täglich den Berliner Verkehr mit Demonstrationen lahmlegen, erwägt das Heimatschutzreferat, die frisch trainierten Bundeswehrler spasseshalber mal aufmarschieren zu lassen. Dies wird in letzter Sekunde durch einen Ex-Stasi-General verhindert, der mit dem Argument, “die grösstenteils senilen Protestanten würden eh nicht weit laufen da sie sich keine Rückfahrkarte für die Tram leisten könnten” punktet. Der Vorsitzende ruft vorsorglich bei der Gauckbehörde an und lässt sich die Akte des Mitarbeiters schicken.
Inzwischen wird die Lage so prekär, das Polnische Facharbeiter für Besitzstandsveränderungen nach Ungarn umsiedeln, weil sich die Leute dort wenigstens noch Autos leisten können. Etwas gutes hatte “Die Wende Teil 2″ dann doch : Edmund hat Angie zu Udo Walz geschleppt, und ihr eine fesche Dauerwelle verpasst. Man munkelt, das dies Teil der Geheimverträge mit den USA war, aber kein Journalist traut sich auf der Bundespressekonferenz nachzufragen.
Fazit: Jeder nur ein Kreuz und den Stift dalassen.
Ich arbeite seit über 10 Jahren als professioneller Fotograf mit Schwerpunkt Konzertfotografie und bin geschäftsführender Gesellschafter einer Unternehmensberatung für Social Media Networking. 


toll geschrieben.
… und liest trotzdem kein anderer ausser dir *g*
Das es kein anderer liest, wage ich mit Nachdruck zu bezweifeln. Nur nicht jeder mag auch immer was dazu schreiben
Ich erfreue mich immer wieder an Deinen literarischen Ergüssen und kann in diesem speziellen Fall gut nachvollziehen, dass man mit solchen Gedanken in der Tat Alpträume bekommt.
Ach ja: Wo kann man eigentlich den “Biberaubacher Sauenanzeiger” abonnieren …?!
Lesen wirklich mehr… bei mir auffer Arbeit fandens auch alle toll…
Aber davon mal abgesehen ist es Durchschnittsbürgern mit sprachlichen Fähigkeiten die im Vergleich zu diesem Text dann doch eher anmuten wie ein altersschwaches Hollandrad neben einem Bugatti B1 einfach nicht möglich einen Kommentar zu schreiben der auch nur annähernd gerecht wird.
Sowas zu kommentieren ist einfach wie mit den großen Hunden pissen zu gehen und des Bein nicht heben können.