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Sebastian Gerhard
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Bewerbung

Anno Domini 2009, der 30. des Juli in allgemein by Sebastian

Folgende eMail erreichte mich:

Stefan von Schwubselburg (Name der Red. bekannt :) )
Praktikum
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich besuche die neunte Klasse des Herschelgymnasiums, Hannover und bin 15 Jahre alt.

Anlagen:
Zeugnis (Klasse 9, 2008/2009)
Lebenslauf

daran hing ein Scan – Datei0001.BMP – 2,9MB.

Ich schrieb zurück:

Hallo Stefan :)

Ich habe eine Computerfirma und bin 31 Jahre alt :)

Liebe Grüße,
Sebastian

woraufhin mich folgende eMail erreichte:

:) da scheint was verloren gegangen zu sein ich schick’s einfach nochmal.

da drunter wieder die erste eMail.

Meinem sozialpädagogischen Auftrag als Ausbilder gerecht werdend antwortete ich nun:

Hallo Stefan,

war alles auch schon beim ersten mal dabei :) Ich wollte eigentlich versuchen, dich darauf aufmerksam zu
machen das du gar nicht schreibst worauf du dich bewirbst. Und wenn ich rate das es ein Praktikum sein soll,
verrätst du nicht, wie lange oder ab wann. Das einfache losschicken eines Zeugnisses ist halt keine Bewerbung :)

Liebe Grüße,
Sebastian Gerhard

woraufhin zurückkam:

hää da fehlt immer alles
ich besuche die neunte Klasse des Herschelgymnasiums, Hannover und bin 15 Jahre alt.
ich verstehs nicht…

Ähm ja. Ich im übrigen auch nicht. Wie ein sehr wertgeschätzter Kollege so eben aussprach: “Wir sprechen wohl die selbe Sprache, aber benutzen eine unterschiedliche Semantik.”

9 Responses so far.

  1. sebi sagt:

    heute kam dann noch eine eMail hinterher: “Ey, was issn nun mit dem Praktikum?”. Ich denk mir nachher mal eine adequate Erwiderung aus…

  2. Frank Weber sagt:

    Wie wäre es mit folgendem Vorschlag:
    Lieber Stefan,
    finde Dich, gerne bieten wir Dir ein Praktikum an, und zwar zum 15. Juni 2009, bitte komm pünktlich um 9 Uhr…

    Mit freundlichen Grüßen…

  3. Jan sagt:

    …. traurig traurig!!!
    sind wir doch mal ehrlich, was kann “Stefan” dafür? Müssen wir den Unmut der in uns geweckt wird, nicht an andere stellen? Eltern, Lehrer!! Der “Junge” kann nichts dafür! Er hat es nicht besser vermittelt bekommen. In diesem Fall von der Schule (wie bewerbe ich mich richtig!).
    Sebastian ich kann dich verstehen, aber gibt der heutigen Jugend trotzdem eine Chance.
    Ein geplagter Vater mit einer gewissen Erfahrung der es in diesem Fall besser weis. Danke.
    Jan

  4. CountZero sagt:

    Mag ja sein, daß man das in der Schule nicht mehr lernt (ist mir am Gymnasium schon vor 20 Jahren nicht mehr beigebracht worden). Nichts desto trotz ist es meines Erachtens wesentlich erschütternder, daß sich nicht einmal die eigenen Eltern von solchen Blagen dazu berufen fühlen, da auch nur wenigstens einmal einen Blick auf die Bewerbung zu werfen – und DIE sollten es nun wirklich wissen.

    Insofern finde ich Jans Kommentar, der mal wieder pauschal auf “den Lehrern” herumhackt, weil es ja grad eh so schön modern ist, sehr viel trauriger, denn dies offenbart viel mehr wieder einmal das vollkommene Desinteresse am eigens selbst in die Welt gesetzten Nachwuchs.

    Offensichtlich wollen Eltern heute nicht mehr verstehen, daß sie einen ERZIEHUNGSAUFTRAG haben, der MITNICHTEN am Tage der Einschulung enden würde.

  5. Lehrer sagt:

    Also am Gymnasium sind mindestens zwei Wochen Berwerbungstraining Pflicht und ganz ehrlich, so etwas würde keine meine Schüler bringen!

  6. Lehrer sagt:

    ups keiner meiner Schüler. (Ich habe allerdings auch nur Mädchen!)

  7. sebi sagt:

    Das ist erfreulich, aber leider sind deine Schüler da in der Minderheit, soweit ich das beurteilen kann. Selbst bei Gymnasiasten gibt es regelmässig Bewerber, die mit Prozentrechnung oder einem normalen, geschäftlichen englischen Satz überfordert sind. Leider.

  8. sebi sagt:

    @Frank ich würd ja lieber schreiben: Gerne biete ich dir ein vorstellungsgespräch an, 01.09.2012 – in der Hoffnung das du bis dahin noch etwas dazugelernt hast :)

    @Jan Chancen gibt es trotzdem, wenn ich das Gefühl habe, derjenige könnte noch dazulernen. Aber leider ist es so das bei vielen dieser Wille, sich fortzuentwickeln gar nicht vorhanden ist. Die kommen ins Vorst.gespräch, schlunzen sich in den Sessel, nehmen ihr Cap nicht ab und auf die frage, wieso sie sich denn für diese ausbildung beworben haben kommt “meine mutter (alternativ: das arbeitsamt) wollte das ja unbedingt, da hab ich mich halt überall beworben.”

  9. Frank Weber sagt:

    http://renitenz.blogspot.com/2006/06/hotline-strikes-back.html
    Das könnte helfen. Es erdet ungemein. Denn es liegt ja nicht unbedingt an den Kids. Eine Kultur des Nicht-Verstehens macht sich allenthalben breit.
    Schönen Gruß
    Frank

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