Agenten kennen wir alle aus dem Fernsehen. Und wir wissen: irgendwo müssen sie sein. Mitten unter uns, getarnt als ganz normale Menschen. Und hin und wieder macht einer einen Fehler, und die Presse geiert sofort hinterher.
Im Spiegelbericht über den “Schlapphut” Reiner M. im Irak wird ganz nebenbei erwähnt, dass selbiger daraufhin als First Secretary auf einen sonnigen Auslandsposten versetzt wurde. Die Internetrecherchemaschine sprang an. So viele First Secretarys gibt es nicht, auf der Seite der australischen Botschaft stand dann auch sein Klarname. Kurz nach offenlegung war “Reiner Mahlstedt” in der Topliste der Google-Treffer. Und fündig wurde man auch : Reiner Mahlstedt hatte eine Homepage unter www.mahlstedt.de, die inzwischen abgeschaltet ist. Aber was mit der Erfindung der “löschen”-Taste auf der Tastatur begann, setzt sich im Internet kontinuirlich fort: nichts ist für immer, alles ist reversibel. Die Wayback-Maschine (www.archive.org) spuckte alles brav aus. Über das Haus in Canberra, die Kinder und die Urlaube fern der Heimat. Sogar sein Gästebuch findet sich noch im Google-Cache. Auch unter reinermahlstedt.com wird man fündig.
Obwohl dies alles seit ein paar Tagen bekannt ist, habe ich erst heute von Reiner Mahlstedt gelesen. Und zwar nicht in der Zeitung, sondern in meinen Logfiles. Sucht man nach seinem Namen, ist gleich der Dritte Treffer von über 90.000 ein Gästebucheintrag einer Kundin, die seit drei Tagen hunderte Besucher hat, die Herrn Mahlstedt besichtigen wollen.
Inzwischen ist das Gästebuch seiner Tochter Ruth der offizielle Anlaufpunkt der Datensammler geworden. Hier wird über Reiner Mahlstedts Nebenerwerb als 1&1 Powerseller und die Magersuchterkrankung seiner Tochter diskutiert, als gehöre man zur Familie. Andere versuchen sich durch das aufstöbern von Fotos und Grundrissen der frisch gekauften Immobilie in Canberra, Australien für den BND zu profilieren. Ein gefundenes Fressen für angehende Pseudohacker mit Profilneurose.
Gewollt hat diese Offenlegung der Spiegel sicher nicht. Aber war er vorsichtig genug – wieviel kann man noch berichten, wenn selbst so kleine Informationen leicht das grosse ganze aufdecken?
Links: Spiegel
Ich arbeite seit über 10 Jahren als professioneller Fotograf mit Schwerpunkt Konzertfotografie und bin geschäftsführender Gesellschafter einer Unternehmensberatung für Social Media Networking. 



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Eine Diskussion über das Verhalten vom Spiegel und den Bloggern entspannt sich gerade hier in den Kommentaren: http://blog.gruene-jugend.de/2006/enttarnt-spiegel-online-einen-bnd-agenten/
Vom First Secretary war im SpOn-Artikel nicht die Rede, aber andere Textstellen, bzw. die Abbildungen (mitlerweile entfernt) reichen auch schon aus. Dass Herr Gebauer die “Enttranung” nicht gewollt hat, halte ich für wenig glaubwürdig, zumal er im Artikel selbst recht genau beschreibt mit welchen Mitteln (Google und Cache) man sie durch- und weiterführen kann. Ja, er gibt geradezu sogar eine Anleitung wie es gemacht wird:
“Kombiniert man die Bilder, ist man schnell bei der Privatadresse des Agenten.
Auch wenn die Seite kürzlich aus dem Netz genommen wurde, wird Reiner M. und seinen Vorgesetzten beim BND die Speicherkraft des Webs zum Verhängnis. Reste seiner Selbstdarstellung sind im Cache zu finden.”
Die Absicht des Herrn Gebauer bestand hier offensichtlich darin, den Betreffenden BND-Mitarbeiter maximal zu blamieren. Die Konsequenzen, insbesondere für dessen Familienmitgieder waren ihm dabei wohl sch…egal.
Man beachte dabei auch den zeitlichen Zusammenhang mit diesem Artikel ( http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,396011,00.html ) in dem es heißt: “Die Affäre verliert immer mehr an Brisanz.”
[...] Genau das ist ja zum Beispiel bereits einem anderen Reiner zum Verhängnis geworden, der “Schlapphut” Reiner M., der dank Google als Agent zurückverfolgt werden konnte. [...]
Naja was soll man da sagen… selbst das Archive.org wird manipuliert (entweder werden relevante Inhalte verändert oder ganz gelöscht)
Vor und im Krieg wurde mehr gefördert an Infos als man weiß…