Willkommen auf blog2.de

Ich arbeite seit über 10 Jahren als professioneller Fotograf mit Schwerpunkt Konzertfotografie und bin geschäftsführender Gesellschafter einer Unternehmensberatung für Social Media Networking.
Ich freue mich immer über neue Kontakte - Wenn du mit mir über ein Projekt sprechen möchtest, eine Anmerkung hast oder dich einfach auf einen Kaffee treffen möchtest, schreib mir eine eMail an mail@blog2.de, oder sprich mich auf einem der vielen Sozialen Netzwerke wie Xing oder LinkedIn an - ich freu mich drauf.

Sebastian Gerhard
0

Kommerz im Kommunismus

Anno Domini 2005, der 21. des März in china (中国) by sebi

China ist dreckig. Ziemlich dreckig. Überall Staub, wie zu übelsten Zeiten in Leipzig. War kurz nach der Wende da, einige Klamotten stanken wochenlang nach Kohledreck. Hier ist viel mehr als Kohle in der Luft. Viele Chinesen fahren nur mit Mundschutz Fahrrad, sie wissen schon warum. Gestern habe ich 9 Chinesen gesehen, die an dünnen Seilen auf klapprigen Holzbrettchen mit einem alten Besen und einem dahinplätschernden Wasserschlauch Häuserwände in schwindelnden Höhen abschrubbten. In den 10 Minuten, die ich ihnen zuschaute, schafften die neun vielleicht 20 qm. Ein Hochdruckreiniger würde den Job in einer Stunde erledigen. Aber dann hätte man nur einen Menschen eine Stunde beschäftigt. Warum sollte man das tun, wenn so 9 Leute einen ganzen Tag Arbeit haben?

War heute wieder Shoppen. DVDs kosten wenige Cent, wenn man die exzellent nachgemachte Verpackung haben möchte, legt man noch ein paar Cent drauf. Habe jetzt 26 Filme für insgesamt 4 Euro. Ich bin halt ein Anfaenger, unter 300 DVDs verlassen die wenigsten Leute das Land. Es gibt die Filme nicht nur einzeln, sondern auch praktischweise nach Darstellern sortiert. Dann kauft man mal eben eine Packung mit allen Filmen, in denen Richard Gere oder Robert de Niro mitspielt. So kann man sein Filmwissen kostensparend und simpel erweitern. Und zu Hause mit einer Filmsammlung angeben, für die andere richtig investieren müssen. Vorhin hab ich jemanden getroffen der nach 6000 DVDs aufgehört hat zu zählen. Er erzaehlte auch, das 1992 im Hotel das Reinigen eines Hemds 15 RMB kostete, ca. 1,30 Euro. Aus dem Grund verschenkte er seine alten Hemden – ein neues kostete 10 RMB. Das ist kommunistische Oekonomie.

Chinesen sind ein lustiges Volk. Da sie auf engem Raum wohnen und zuhause Privatsphaere nicht wirklich kennen, sitzen sie gern in Bars oder Restaurants. Diese sind nicht wie bei uns offen und gut einsichtig, sondern kleine zurückgezogene abgetrennte Raeume, in denen man dann Privatsphaere haben kann. Mit 20 oder 30 Kollegen natuerlich. Chinesen sind nicht gern allein.
Morgens trifft man sie zu Hunderten, wie sie Tai Chi oder andere Gymnastik praktizieren, ob 12 oder 95 spielt da keine Rolle.

Die Fahradkolonnen, die ich aus dem Fernsehen kannte, konnte ich hier nicht vorfinden. Dafuer fahren viele Chinesen Auto. Zwar wie die Henker und ohne Ruecksicht auf Regeln oder Verluste, aber dafuer nicht sehr schnell, so das man ‘ne gute Chance hat, eine Strassenueberquerung zu ueberleben. Einfache Regeln: Ampeln sind zur Belustigung da, weil normale Strassenlampen nicht genug Blinken. Ansonsten haben sie keine Bedeutung. Wenn ein Chinese hupt, will er eigentlich nur Hallo sagen. Warnen wird dich keiner, wenn er auf dich zurast. Sofern du zu Fuss oder per Rad unterwegs bist, hat immer das Auto vorfahrt. Trotz dieser Zustaende hab ich bisher erst einen kleinen Unfall gesehen. Eigentlich verwunderlich.

Gestern habe ich wieder Sachen gegessen, die aussahen wie zu gross gewordene Kellerasseln (heissen Pipichar). Haben aber gut geschmeckt. Hier fragt man am besten gar nicht, was es ist, es reicht sich zu vergewissern, das es tot ist. Denn das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Lebenden Hummer vom Schwanzende in tranchierten Scheibchen aufzuessen ist eine Delikatesse, genauso wie leicht in Alkohol betaeubte Shrimps, die man auf der Zunge zuckend zerkaut. Hund war übrigens auch auf der Speiseliste. Scheint aber auch hier etwas exotisch zu sein, ich hab noch keinen getroffen, der mir sagen konnte, wie so etwas schmeckt. Ansonsten sind Hunde hier ein absolutes Luxusgut, weit teuer als Kinder zu haben. An einem Hund erkennt man die wirklich reichen Chinesen.

Heute morgen haben wir typisch chinesisch gefruehstueckt. Brotfladen mit sehr leckerer und sehr scharfer Sosse und Spiegelei, Schinken, Spinat und anderem Gemuese. Kosten 2 RMB, ca. 15 cent. Nur bei der Musik liegen die Chinesen etwas sonderbar. Scorpions sind sehr beliebt, Deutsche Klassik und Elvis Presley. Und das in den Laeden gerne auch etwas lauter, so knapp ueber ohrenbetaeubend.

Leave a Reply